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Bifidobacterium infantis

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

B. infantis ist ein natürlicher Bewohner unseres Dickdarms. Bei gestillten Säuglingen zählt dieses Bifidobakterium sogar zu den häufigsten Vertretern der Darmflora. Es ist außerdem eines der ersten Mikroorganismen, das – gemeinsam mit anderen Bifidobakterien – den Verdauungstrakt von Neugeborenen besiedelt.

Die Mikroorganismen haften sich dabei an der Darmschleimhaut fest und vermehren sich schnell. Hierdurch gewährleisten sie, dass sich Krankheitserreger nicht oder nur in sehr geringem Umfang in dem kindlichen Darm vermehren können. Der Name der Bifidobakterien-Art ist daher auch an das lateinische Wort Infans angelehnt, das auf Deutsch Kleinkind bedeutet.

Bifidobacterium infantis produziert bei der Umwandlung von Zucker Milch- und Essigsäure, wodurch es den pH-Wert in seiner Umgebung absenkt. Dies wiederum hat zur Folge, dass die meisten anderen Mikroorganismen, darunter auch viele Krankheitskeime, dort nicht wachsen können. Auf diese Weise hält Bifidobacterium infantis Nahrungskonkurrenten fern und schützt uns gleichzeitig vor Infektionen.

B. infantis, das auch an unserer Verdauung beteiligt ist, produziert die für uns lebenswichtigen Vitamine des B-Komplexes, etwa Folsäure, Thiamin (Vitamin B1), Pyridoxin (Vitamin B6), Biotin (Vitamin B7) und Niacin.

Bifidobacterium infantis in Lebensmitteln und Medikamenten

Viele fermentierte Lebensmittel bleiben länger haltbar, weil Bifidobakterien und Milchsäurebakterien den pH-Wert – durch die Vergärung von Zucker in Milchsäure – herabsetzen. Joghurt, Kefir, Sauerkraut und Sauerteig sind nur einige Beispiele dieser vergorenen Produkte. Ebenso, wie in unserem Verdauungstrakt, können daher auch in den so gewonnenen Nahrungsmitteln keine anderen Mikroorganismen, etwa Schimmelpilze, überleben.

Ursprünglich werden keine bestimmten Bifidobakterien und Laktobazillen zu den Ausgangsprodukten zugesetzt, da die Umgebung genug Mikroorgansimen enthält, um eine Gärung in Gang zu setzen. So gehört auch B. infantis zu den natürlichen Bakterien, die beispielsweise Milch in Joghurt umwandeln. Heute ist es bei der industriellen Fertigung der Lebensmittel allerdings üblich, steril zu arbeiten und stattdessen einzelne, für jedes Produkt spezifische Bakterien zuzusetzen. B. infantis spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.

Seine hervorragenden Eigenschaften für unsere Gesundheit haben allerdings dazu geführt, dass es mehr und mehr als Probiotikum eingesetzt wird. Viele Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel bestehen dabei aus einer Kombination mehrerer probiotischer Bakterien. So unterstützt beispielsweise das Nahrungsergänzungsmittel VSL 3 ® durch seine acht verschiedenen probiotischen Stämme unsere natürliche Darmflora. VSL 3 ® ist dabei auch für Kinder gut verträglich.(1)

Das weltweit präsente Unternehmen Procter & Gamble hat sich den Bakterienstamm Bifidobacterium infantis 35624 patentieren lassen und vermarktet das Probiotikum unter dem Namen Bifantis®. Das Mittel sorgt für eine gesunde Darmflora, soll aber auch bei dem Reizdarmsyndrom und bei Darmentzündungen helfen.(2)

Der Gesundheitskonzern Natren bietet speziell für Säuglinge das probiotische Produkt Life Start® an, das die Kinder mit lebenden Bifidobacterium infantis-Kulturen versorgt. Viele andere probiotische Produkte für Erwachsene und Kinder, die Bifidobacterium infantis enthalten, sind weltweit auf dem Markt. Die gute Verträglichkeit, das natürliche Vorkommen in unserem Verdauungstrakt und die wissenschaftlich erwiesenen gesundheitlichen Aspekte machen Bifidobacterium infantis zu einem sehr geschätzten Probiotikum.

Bifidobacterium infantis kann außerdem sowohl Magensäure als auch Gallensalze gut überstehen. So ist gewährleistet, dass es den Darm lebend erreicht, um sich dort zu vermehren.(3) Dies ist, neben den gesundheitlichen Aspekten, ein Hauptkriterium dafür, dass ein Bakterium als Probiotikum verwendet werden kann. Obwohl Bifidobacterium infantis ein häufiger Bewohner unseres Verdauungstrakts ist, scheint es sich – als Probiotikum verabreicht – allerdings nicht permanent dort anzusiedeln.

Bifidobacterium infantis schützt vor Allergien und Darmentzündungen

Eine Vergleichsstudie zeigt, dass alle untersuchten Säuglinge aus Ghana B. infantis in ihrem Kot aufweisen, während dies in Neuseeland und Großbritannien nicht der Fall ist. Das Fehlen von Bifidobacterium infantis im Darm vieler neuseeländischer und britischer Kinder korreliert mit einem sehr hohen Allergierisiko. In Ghana ist die Zahl der Allergiker hingegen extrem gering. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass B. infantis vor Allergien schützt. Gleichzeitig regen die meisten anderen Bifidobakterien unser Immunsystem an, was bei der Abwehr von Krankheitserregern natürlich sehr nützlich ist. B. infantis hingegen aktiviert bestimmte Zellen, die bei den Abwehrreaktionen wichtig sind, nicht. Hieraus schließen die Autoren, dass das Bifidobacterium möglicherweise Überreaktionen des Immunsystems, die typisch für allergische Reaktionen sind, unterdrückt.(4)

Daneben hilft B. infantis nachweislich bei Antibiotika-bedingtem Durchfall und bei Entzündungen und – gemeinsam mit anderen Probiotika – bei Reisediarrhoe. Auch Kleinkinder können effektiv durch die Gabe eines Medikaments, das Lactobacillus acidophilus und Bifidobacterium infantis enthält, von akutem Durchfall geheilt werden. (5)

Unwohlsein und Schmerzen in der Bauchregion sowie ein veränderter Stuhlgang werden oft, wenn keine anderen erkennbaren Erkrankungen vorliegen, als Reizdarmsyndrom (RDS oder IBS für den englischen Begriff Irritable Bowel Syndrome) diagnostiziert. Obwohl die Krankheit an sich ungefährlich ist, schränkt sie die Betroffenen teilweise sehr in ihrem Alltagsleben ein. Außerdem kommen oft psychische Probleme und ein schlechtes Allgemeinbefinden mit Mattigkeit und Abgeschlagenheit hinzu. Zwar ist die Ursache für das Reizdarmsyndrom noch weitgehend unklar, doch zeigen einige Untersuchungen, dass entzündliche Veränderungen möglicherweise der Grund für die Darmerkrankung sind.

Forscher konnten nun in zwei Studien zeigen, dass Bifidobacterium infantis die Symptome des RDS lindert, ohne dabei unerwünschte Nebenwirkungen hervorzurufen. Diese positive Wirkung von B. infantis hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass das Bakterium Entzündungen im Darm dezimiert. Bisher ist allerdings noch nicht ganz klar, wie genau das Probiotikum die Entzündungsreaktionen hemmt.(6)

Patienten, die an der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa leiden, müssen in sehr schweren Fällen den gesamten Dickdarm operativ entfernen lassen. Danach wird der Dünndarm in einen „künstlichen“ Dickdarm verwandelt. Leider kommt es anschließend manchmal zu einer Pouchitis, einer Entzündung des künstlich angelegten Verdauungsorgans. Ein probiotisches Nahrungsergänzungsmittel (VSL#3), das neben B. infantis noch sieben weitere Bakterienarten enthält, hilft nachweislich bei vielen chronischen Entzündungserkrankungen des Darmes. So kann es nicht nur die Symptome einer Colitis ulcerosa verringern, sondern auch einer Pouchitis bei frisch operierten Patienten vorbeugen.

Personen, die bereits an einer chronischen Pouchitis leiden, kann die Einnahme des Probiotikums vor einem Rückfall schützen.(7)

Auch akute Dickdarmentzündungen können möglicherweise gut mit B. infantis behandelt werden. Mausmodelle zeigen auf jeden Fall eine starke Verringerung der Symptome nach der Gabe des Probiotikums.(8)

1) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19174792

2) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19367213

3) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18634896

4) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15242942

5) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11729708

6) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19367213

7) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17263590

8) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12801954