Bifidobacterium infantis
B. infantis ist ein natürlicher Bewohner unseres Dickdarms. Bei gestillten Säuglingen
zählt dieses Bifidobakterium sogar zu den häufigsten Vertretern der
Darmflora. Es ist außerdem eines der ersten Mikroorganismen, das – gemeinsam mit anderen Bifidobakterien – den Verdauungstrakt von Neugeborenen besiedelt.
Die Mikroorganismen haften sich dabei an der Darmschleimhaut fest und vermehren sich schnell. Hierdurch
gewährleisten sie, dass sich Krankheitserreger nicht oder nur in sehr geringem Umfang in dem kindlichen Darm
vermehren können. Der Name der Bifidobakterien-Art ist daher auch an das lateinische Wort Infans angelehnt, das auf
Deutsch Kleinkind bedeutet.

Bifidobacterium infantis produziert bei der Umwandlung von Zucker Milch- und Essigsäure, wodurch es den pH-Wert
in seiner Umgebung absenkt. Dies wiederum hat zur Folge, dass die meisten anderen Mikroorganismen, darunter auch
viele Krankheitskeime, dort nicht wachsen können. Auf diese Weise hält Bifidobacterium infantis
Nahrungskonkurrenten fern und schützt uns gleichzeitig vor Infektionen.
B. infantis, das auch an unserer Verdauung beteiligt ist, produziert die für uns lebenswichtigen Vitamine des
B-Komplexes, etwa Folsäure, Thiamin
(Vitamin B1), Pyridoxin (Vitamin B6), Biotin (Vitamin B7) und Niacin.
Bifidobacterium infantis in Lebensmitteln und Medikamenten
Viele fermentierte Lebensmittel bleiben länger haltbar, weil Bifidobakterien und Milchsäurebakterien den pH-Wert – durch die Vergärung von Zucker
in Milchsäure – herabsetzen. Joghurt, Kefir, Sauerkraut und Sauerteig sind nur einige Beispiele dieser vergorenen
Produkte. Ebenso, wie in unserem Verdauungstrakt, können daher auch in den so gewonnenen Nahrungsmitteln keine
anderen Mikroorganismen, etwa Schimmelpilze, überleben.
Ursprünglich werden keine bestimmten Bifidobakterien und Laktobazillen zu den Ausgangsprodukten zugesetzt, da
die Umgebung genug Mikroorgansimen enthält, um eine Gärung in Gang zu setzen. So gehört auch B. infantis zu den
natürlichen Bakterien, die beispielsweise Milch in Joghurt umwandeln. Heute ist es bei der industriellen Fertigung
der Lebensmittel allerdings üblich, steril zu arbeiten und stattdessen einzelne, für jedes Produkt spezifische
Bakterien zuzusetzen. B. infantis spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.
Seine hervorragenden Eigenschaften für unsere Gesundheit haben allerdings dazu geführt, dass es mehr und mehr
als Probiotikum eingesetzt wird. Viele Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
bestehen dabei aus einer Kombination mehrerer probiotischer Bakterien. So unterstützt beispielsweise das
Nahrungsergänzungsmittel VSL 3 ® durch seine
acht verschiedenen probiotischen Stämme unsere natürliche Darmflora. VSL 3 ® ist dabei auch für Kinder gut
verträglich.(1)
Das weltweit präsente Unternehmen Procter & Gamble hat sich den Bakterienstamm Bifidobacterium infantis
35624 patentieren lassen und vermarktet das Probiotikum unter dem Namen Bifantis®. Das Mittel sorgt für eine
gesunde Darmflora, soll aber auch bei dem Reizdarmsyndrom und bei Darmentzündungen helfen.(2)
Der Gesundheitskonzern Natren bietet speziell für Säuglinge das probiotische Produkt Life Start® an, das die
Kinder mit lebenden Bifidobacterium infantis-Kulturen versorgt. Viele andere probiotische Produkte für Erwachsene
und Kinder, die Bifidobacterium infantis enthalten, sind weltweit auf dem Markt. Die gute Verträglichkeit, das
natürliche Vorkommen in unserem Verdauungstrakt und die wissenschaftlich erwiesenen gesundheitlichen Aspekte machen
Bifidobacterium infantis zu einem sehr geschätzten Probiotikum.
Bifidobacterium infantis kann außerdem sowohl Magensäure als auch Gallensalze gut überstehen. So ist
gewährleistet, dass es den Darm lebend erreicht, um sich dort zu vermehren.(3) Dies ist, neben
den gesundheitlichen Aspekten, ein Hauptkriterium dafür, dass ein Bakterium als Probiotikum verwendet werden kann.
Obwohl Bifidobacterium infantis ein häufiger Bewohner unseres Verdauungstrakts ist, scheint es sich – als
Probiotikum verabreicht – allerdings nicht permanent dort anzusiedeln .
Bifidobacterium infantis schützt vor Allergien und Darmentzündungen
Eine Vergleichsstudie zeigt, dass alle untersuchten Säuglinge aus Ghana B. infantis in ihrem Kot aufweisen,
während dies in Neuseeland und Großbritannien nicht der Fall ist. Das Fehlen von Bifidobacterium infantis im Darm
vieler neuseeländischer und britischer Kinder korreliert mit einem sehr hohen Allergierisiko. In Ghana ist die Zahl
der Allergiker hingegen extrem gering. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass B. infantis vor Allergien schützt.
Gleichzeitig regen die meisten anderen Bifidobakterien unser Immunsystem an, was bei der Abwehr von
Krankheitserregern natürlich sehr nützlich ist. B. infantis hingegen aktiviert bestimmte Zellen, die bei den
Abwehrreaktionen wichtig sind, nicht. Hieraus schließen die Autoren, dass das Bifidobacterium möglicherweise
Überreaktionen des Immunsystems, die typisch für allergische Reaktionen sind, unterdrückt.(4)
Daneben hilft B. infantis nachweislich bei Antibiotika-bedingtem Durchfall und bei Entzündungen und – gemeinsam
mit anderen Probiotika – bei Reisediarrhoe. Auch Kleinkinder können effektiv durch die Gabe eines Medikaments, das
Lactobacillus acidophilus und Bifidobacterium infantis enthält,
von akutem Durchfall geheilt werden. (5)
Unwohlsein und Schmerzen in der Bauchregion sowie ein veränderter Stuhlgang werden oft, wenn keine anderen
erkennbaren Erkrankungen vorliegen, als Reizdarmsyndrom (RDS oder IBS für den englischen Begriff Irritable Bowel
Syndrome) diagnostiziert. Obwohl die Krankheit an sich ungefährlich ist, schränkt sie die Betroffenen teilweise
sehr in ihrem Alltagsleben ein. Außerdem kommen oft psychische Probleme und ein schlechtes Allgemeinbefinden mit
Mattigkeit und Abgeschlagenheit hinzu. Zwar ist die Ursache für das Reizdarmsyndrom noch weitgehend unklar, doch
zeigen einige Untersuchungen, dass entzündliche Veränderungen möglicherweise der Grund für die Darmerkrankung
sind.
Forscher konnten nun in zwei Studien zeigen, dass Bifidobacterium infantis die Symptome des RDS lindert, ohne dabei
unerwünschte Nebenwirkungen hervorzurufen. Diese positive Wirkung von B. infantis hängt wahrscheinlich damit
zusammen, dass das Bakterium Entzündungen im Darm dezimiert. Bisher ist allerdings noch nicht ganz klar, wie genau
das Probiotikum die Entzündungsreaktionen hemmt.(6)
Patienten, die an der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa leiden, müssen in sehr schweren
Fällen den gesamten Dickdarm operativ entfernen lassen. Danach wird der Dünndarm in einen „künstlichen“ Dickdarm
verwandelt. Leider kommt es anschließend manchmal zu einer Pouchitis, einer Entzündung des künstlich angelegten
Verdauungsorgans. Ein probiotisches Nahrungsergänzungsmittel (VSL#3), das neben B. infantis noch sieben weitere
Bakterienarten enthält, hilft nachweislich bei vielen chronischen Entzündungserkrankungen des Darmes. So kann es
nicht nur die Symptome einer Colitis ulcerosa verringern, sondern auch einer Pouchitis bei frisch operierten
Patienten vorbeugen.
Personen, die bereits an einer chronischen Pouchitis leiden, kann die Einnahme des Probiotikums vor einem Rückfall
schützen.(7)
Auch akute Dickdarmentzündungen können möglicherweise gut mit B. infantis behandelt werden. Mausmodelle zeigen auf
jeden Fall eine starke Verringerung der Symptome nach der Gabe des Probiotikums.(8)
1) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19174792
2) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19367213
3) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18634896
4) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15242942
5) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11729708
6) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19367213
7) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17263590
8) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12801954

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