Header Vitalstoffe
 

Böse Fette, gute Fette

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Bedeutung, Vorkommen und Nutzen

Im März 2016 brachte ich einen Beitrag mit dem Titel: Herzchirurgen, Infarkte und Facebook. Es ging hier um einen gestandenen Kardiologen aus den USA, der das „Jahrmillionen“ alte Credo vom bösen Cholesterin und den guten ungesättigten Fettsäuren gepredigt hatte, aber jetzt das komplette Gegenteil vertritt.

Wie es aussieht, werden diese „Ausnahmen“ zur Ausnahme von der Ausnahme, also doch irgendwie schon zur Regel. Und das beim „Spiegel“, der sich in Fragen von Gesundheit und Schulmedizin meist auf die Seite der offiziellen Gesundheitsideologie schlägt, was ich ja auch schon in einigen Beiträgen „anmerkte“:

Diese Themen sind für den „Spiegel“, meines Erachtens, alles obskure Ansichten der alternativen Spinner-Szene.

Der Beitrag des „Spiegel“ aus dem April 2016 sieht ganz anders aus:  Ernährung: Ist Öl das bessere Fett? (spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/tierisches-fett-ungesuender-als-pflanzliches-darauf-sollten-sie-achten-a-1086788.html)

Die Autorin fasst zunächst zusammen, was die kardiologische Schulmedizin heute und seit Langem zu predigen pflegt: Wenig gesättigte Fettsäuren, stattdessen Ungesättigte. Und dazu gibt es auch noch „Leitlinien“. Denn, so die Ansicht der Kardiologen, senken Pflanzenfette, die durch die Bank ungesättigt zu sein scheinen, den Cholesterinspiegel, was einen protektiven Effekt auf die Arterien hat und wodurch das Risiko für Infarkte und kardiovaskuläre Probleme sinkt.

Dieser Sichtweise hält jetzt auch der „Spiegel“ eine Studie entgegen, die altes Datenmaterial neu präsentiert. Die Arbeit ist im British Medical Journal erschienen, die über jeden Verdacht des alternativen Sektierertums erhaben ist: Re-evaluation of the traditional diet-heart hypothesis: analysis of recovered data from Minnesota Coronary Experiment (1968-73).

Und was hier geschrieben steht, dürfte den Herren von der Schulmedizin und ihrem alten Dogma von der Erde im Mittelpunkt des Weltalls, ich meine von ungesättigten Fettsäuren als Erlöser von allem Ungemach, nicht schmecken, weder mit gesättigten noch mit ungesättigten Buchstaben. Denn die Arbeit konnte beobachten, dass eine Kost mit vorzugsweise Pflanzenöl (=viel ungesättigte Fettsäuren) einen guten Effekt auf das Cholesterin hatte, das zur Freude der Schulmediziner deutlich sank. Jetzt gibt es Grund zu der Vermutung, dass das verminderte Cholesterin keinen so großen Schaden mehr in den Blutgefäßen anrichten kann und damit die Häufigkeit von Infarkten etc. sinkt. Darum werden ja die Statine an alle Patienten verteilt, gleichgültig ob sie ein erhöhtes Risiko für solche Komplikationen haben oder einfach nur zu alt sind, um ohne Statine auf die Welt losgelassen zu werden.

Die Arbeit lässt jedoch die hoffnungsfrohen Schulmediziner an dieser Stelle im Stich. Denn der gesenkte Cholesterinspiegel zeigte absolut keinen Einfluss auf die Infarkthäufigkeit. Vielmehr traten Zeichen für das komplette Gegenteil zutage. Denn ein geringer Cholesterinspiegel war mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden. Die Autoren beschrieben dieses Risiko wie folgt: „Es gab ein 22 Prozent höheres Sterberisiko für jede Senkung des Serum-Cholesterins um 30 mg/dL“. Es gab auch keine Hinweise, dass die ungesättigten Fettsäuren und das erniedrigte Cholesterin einen Nutzen für Koronarsklerosen oder Infarkte hatten.

Neben dieser Beurteilung der ungesättigten Fettsäuren und der offensichtlich nicht vorhandene schlechte Effekt von Cholesterin auf die kardiovaskulären Erkrankungen, kamen die Autoren zu einem weiteren beachtlichen Ergebnis. Sie resümierten, dass der „Aberglaube“ an die Allmacht der cholesterinsenkenden Therapien auf einer Unterschlagung von Daten und Studien beruht. Denn die Daten der hier diskutierten Studie stammen aus den Jahren 1968 bis 1973, umfassen fast 9500 Teilnehmer und sind nie publiziert worden. Denn schon damals galt das Credo an die schlechten Fettsäuren und das schlechte Cholesterin als oberstes schulmedizinisches Gebot. Da kamen diese Studienergebnisse überhaupt nicht gelegen. Und was macht man da, ganz evidenzbasiert? Man macht passend, was nicht passt. Und wenn das nicht geht oder zu schwierig wird, dann schweigt man die störenden Ergebnisse tot.

Der „Spiegel“ verweist in seinen Beitrag auf eine Metaanalyse aus dem Jahr 2015. Diese Arbeit kommt zwar immer noch zu dem Ergebnis, dass ungesättigte Fettsäuren Vorteile haben, wenn auch in einem nicht so bedeutendem Ausmaß. Eine weitere Kernaussage dieser Arbeit ist, dass ein hohes Maß an Kohlehydraten hier als schädlich einzustufen ist.

Danach kommen eine Reihe von Argumenten, die wir bislang mehr in der alternativen Ecke zu hören bekommen haben. So wird vom „Spiegel“ ein ungünstiges Verhältnis von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren als mögliche Ursache für abträgliche gesundheitliche Effekte diskutiert. Eine ähnliche Sicht der Dinge hat auch der ehemalige Kardiologe aus dem oben erwähnten Artikel (Herzchirurgen, Infarkte und Facebook) vertreten.

Es treten weiter im Artikel „Experten“ auf, die jetzt auch mal gute Butter gut sein lassen. Aber es sollte hochwertige Butter sein. Was ist hochwertige Butter? Man höre und staune: Das ist Butter von Kühen, die noch auf der Weide grasen durften. Solche Butter ist vitaminreicher (keine Vorsicht vor zu viel Vitaminen?) und hat ein günstigeres Fettsäureprofil!

Aber niemandem der zu Wort gekommenen Experten scheint aufgefallen zu sein, dass die Minnesota Studie deutliche Belege bringt, dass die Senkung von Cholesterin nicht nur ein unnützes Vergnügen ist, sondern direkt gesundheitliche Schäden hervorzurufen scheint. Es scheint dabei relativ gleichgültig zu sein, wer da das Cholesterin so erfolgreich gesenkt hat, die ungesättigten Fettsäuren, Statine oder was auch sonst.

Und es scheint den Experten auch egal zu sein, dass hier mal wieder unliebsame Ergebnisse unter den Tisch bugsiert worden sind. Und jetzt, wo sie doch noch ans Tageslicht gekommen sind, stellt man sich blind, taub und geistesschwach: „Die Ergebnisse dieser Studie geben aus meiner Sicht keinen Anlass, die Einhaltung derzeitiger Ernährungsempfehlungen zu ändern“, äußerte sich ein Präventionsmediziner aus Regensburg. Es ist ja auch eine Heidenarbeit, all diese Leitlinien umzuschreiben. Und was sagt die Pharmaindustrie dazu, wenn man plötzlich deren Spiel nicht mehr mitspielt und die Verordnung von weniger Statinen befürwortet. Und die Lebensmittelindustrie, die dann mit der Produktion ihrer Plastikbutter = Margarine, die ja bekanntlich cholesterinspiegelsenkend ist, das Nachsehen haben wird. 

Zum Schluss beschreibt der „Spiegel“ noch die „Grenzen des Wissens“. Hier werden dann wissenschaftstheoretische (= saulangweilige) Argumente aufgeführt, warum alles so schwierig ist mit der Erkenntnis des wahren Jakobs. Für mich ist hier wichtig festzuhalten, dass dieses Kapitel wieder zurückfällt in die Tradition des „Spiegel“, die schulmedizinische Wissenschaft und angeschlossene Industrie in Schutz zu nehmen. Und das ist einfach die Unwilligkeit der Industrie und Wissenschaft, hier Studien zu erstellen, die den oben aufgeführten Fragestellungen nach objektiven Kriterien nachgehen. Denn es steht zu erwarten, dass bei einer gut aufgesetzten Studie Ergebnisse herausspringen, die man dann über 40 Jahre irgendwo verstecken muss.

Fazit

Es gibt wieder einmal eine Studie, die schon vor 40 Jahren zu dem Ergebnis gekommen ist, das die „Alternativen“ schon seit Langem für wahrscheinlich und konsequent halten. Die schulmedizinische Wissenschaft hat hier einmal mehr bewiesen, wie betrügerisch sie mit ihren Ergebnissen umgeht: Was nicht passt, wird passend gemacht oder verworfen. Ein solches Gebaren kennt man ansonsten nur aus totalitären Staaten, wenn auch hier in Bezug auf politische Angelegenheiten. Und der „Spiegel“ ist diesmal chancenlos, seine Schützlinge zur retten. Die Schadensbegrenzung durch den Artikel liegt in der „Spiegel“-Einsicht, dass die Minnesota-Studie zeigt, wie schwer es doch ist, zu richtigen Ergebnissen zu gelangen. Dann will ich mal anfangen, die armen, begrenzten Wissenschaftler der Schulmedizin zu bedauern.